Alte Artilleriekaserne Schwerin

Anmerkung des Preisgerichts

„Das Hell der Raumzellen und ihre geraden Kanten bilden zum gewölbten Mauerwerk einen Kontrast, der den Unterschied zwischen Alt und Neu wunderbar deutlich macht, aber nicht störend wirkt. (...) Ein solcher Umgang mit alter Bausubstanz findet große Anerkennung.“

Der Pferdestall im Erdgeschoss des Bauteiles H, Gegenstand der eingereichten Unterlagenzum Landesbaupreis wurde umfangreich umgebaut. Der Pferdestall war ein großer Raum vom 10,60 m Breite, 44,43 m Länge und 4,72 m Höhe, mit 3-jochigem Kreuzkappengewöbe überwölbt mit doppelter Stützenreihe gusseiserner Stützen, auf denen die Gewölbelasten abgetragen wurden und natürlich weitergeleitet auf die Gewölbepfeiler im Kellergeschoss. Dieser große Pferdestall wurde in den 20-er Jahren umgebaut durch das Einbauen einer zusätzlichen Deckenebene in 1,30 m Höhe über dem ehemaligen Stallfußboden, um somit die Raumhöhe zu reduzieren.

Die ehemaligen Stallfenster wurden sowohl auf der Süd-Ost- als auch auf der Nord-West-Seite durch gestauchte rechteckige Fenster ersetzt, die der reduzierten Geschosshöheentsprachen. Das gesamte ehemalige Pferdestall wurde in 21 m² große Räume mit 3,40m Geschosshöhe und Mittelgangerschließung aufgeteilt.

Im Rahmen des 5. BauabschnittesUmbau und Instandsetzung der Alten Artilleriekaserne Schwerin für Zwecke des FinanzamtesSchwerin wurde diese Umbaumaßnahme aus den 20-er Jahren im ehemaligen PferdestallErdgeschoss BT H wieder rückgängig gemacht.Die zusätzlich eingebrachte Deckenebene, einschließlich der in Ziegelmauerwerkaufgeführten Zwischenwände wurden abgebrochen.Die Außenwände erhielten neue dem Charakter des Bauwerks entsprechendehochrechteckige große Fenster, sämtliche eingemauerten gusseisernen tragenden Säulenwurden wieder freigelegt. Die noch vorhandenen in bewehrtem Beton hergestellten Futterkrippen des ehemaligen Pferdestalles mussten aus statische und funktionellen Gründen abgebrochen werden.Nach den getätigten Abbrucharbeiten stand wieder ein saalartiger Raum zur Verfügung,der für die Nutzung des Finanzamtes herzurichten war, mit der Option, dass bei einerNutzungsänderung durchaus die Abmessungen des ehemaligen Pferdestalles zu Verfügungstehen können, um eventuell eine andere Nutzung dort zu etablieren.

Um funktionsfähige Arbeitsräume für die Zwecke des Finanzamtes zu schaffen undgleichzeitig den Charakter des historischen Bauwerks zu bewahren, entschloss man sich nachintensiver Untersuchung und Planung für die Variante „eingeschobene Kisten“ in Trockenbauweise. Die alte Raumstruktur mit den gusseisernen Säulen und freigelegtem ziegelsichtigem Kreuzkappengewölbe ist somit von der Mittelgangerschließung für den Nutzer, den Mitarbeitern des Finanzamtes, aber auch für den Besucher täglich spürbar und geschichtlich erlebbar.

Die Kasernenanlage ist unter der Bauleitung des Militärbaumeisters Wachenhusen in denJahren 1856 – 1861 errichtet worden.Die Anlage, die in Form eines Kastells, bestehend aus 3 großen Flügelbauten, erbaut wurde,stellt eine der größeren planmäßig errichteten Kasernen der 19. Jahrhunderts in Mecklenburg dar.Die drei nach außen gerichteten Fassaden sind durch Haupt- und Ecktürme gefasst unddurch Mittel- und Eckrisalite gegliedert. Der Gebäudekomplex steht unter Denkmalschutz.

Zur besseren Orientierung für Nutzer und Eigentümer wurde der gesamte Komplex schon in der Entstehungszeit in Bauteile A, B, C, D, E, F, G, H und I gegliedert. Bis zum Jahr 1989 wurde die gesamte Anlage militärisch genutzt. Bis 1918 durch großherzoglich dirigiertes Militär, danach Weimarer Republik und Faschismus. Nach 1945 Rote Armee Sowjetunion, danach Nationale Volksarmee DDR. Vor der Erfindung des Otto-Motors wurde der Tansport des Kriegsgerätes und teilweise der Soldaten mit Pferden betrieben, Bauzeit 1856- 1861. In den Bauteilen B und H befanden sich in den Erdgeschossen Pferdeställe für ca. 100 Pferde, in den Bauteilen D, E und F Remisen für Geschütze und Wagen mit den erforderlichen Nebenräumen. Die Soldaten waren in Quartierstuben im Obergeschoss der Bauteile B, C, E, F und H der 2-geschossigen Verbindungsbauten untergebracht. Die Räume der mehrgeschossigen Haupt- und Ecktürme waren den Offizieren und Unteroffizieren, teilweise auch deren Familien vor 1918 vorbehalten. In den gewölbten Kellerräumen, außer BT B nicht unterkellert, befanden sich Küche, Speiseräume,Wäschemagazin, Waschküche, Rollkammer, überhaupt sämtliche erforderlichen Nebenräume für den Betrieb des gesamten Kasernenkomplexes, wobei die Lagermöglichkeiten für Heizmaterial ebenfalls vorhanden waren, denn sämtliche „bewohnten“ Räume hatten Ofenheizung.

Die nicht ausgebauten Dachräume der Drempelgeschosse dienten als Trockenboden und bei Manövern als Schlafsäle. Die ersten größeren Umbaumaßnahmen erfolgten in den 20er-Jahren als die Pferdeställe überflüssig wurden. Aus dem Pferdestall im EG BT B wurde ein Speisesaal mit Küche und den dazu erforderlichen Nebenräumen.

Baubeginn05/2008
Fertigstellungstermin09/2011
Bruttogeschossfläche5.072 m²
Umbauter Raum20.625 m³

Landesbaupreis

Landesbaupreis 2012: Anerkennung

Anschrift

Johannes-Stelling Strasse 9-11
19053 Schwerin

Bauherr

Betrieb für Bau- und Liegenschaften MV
Geschäftsbereich Schwerin

Planer

Architekten

Rimpel Architekten
Jungfernstieg 5
19053 Schwerin

Tragewerksplaner

Ingenieurbüro Dr.-Ing. Mario Binder Schwerin

Fachplaner

Haustechnik HLS
Weidner + Partner GbR
Schwerin

Haustechnik ELT
Betrieb für Bau- und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern
Geschäftsbereich Schwerin