ECOLEA Internationale Schule in Schwerin

Anmerkung des Preisgerichts

„[Das Schulgebäude] zeigt auf nachhaltige und zukunftsweisende Art, wie Lern- und Lehrorte für Schüler und Lehrer angelegt und gestaltet werden können, um motiviertes und differenziertes Arbeiten in der Schule zu fördern.“

Aufgabe

Die ecolea | Internationale Schule Schwerin ist ein staatlich anerkanntes dreizügiges Gymnasium mit dem Angebot einer speziellen beruflichen Qualifizierung in der Oberstufe. Wesentliche Charakteristika der Schule sind das ganztägige Lernangebot, der bilinguale Unterricht, die naturwissenschaftliche Profilierung, der Aus-tausch mit verschiedenen europäischen Schulen und die starke Integration in die wirtschaftlichen und gesell-schaftlichen Strukturen der Region. Das ganztägige Lernen bedingt eigenständiges und konzentriertes Arbeiten, aber auch Entspannung und kreative Freizeitgestaltung sowie begleitende soziale Betreuung.

Leitbild

Der Neubau des Gymnasiums am Rande der Schweriner Innenstadt folgt dem architektonischen Leitbild von “Gartenhäusern” am See. Der etwa 5.000 qm große Baukörper gliedert sich in ein Ensemble aus maßstäblichen zweigeschossigen Häusern, die miteinander verkettet sind. Die historischen Gartengrundstücke der Schelfstadt, der barocken Stadterweiterung Schwerins, reichten ursprünglich bis zum See und sind nun lediglich durch eine Straße von ihm getrennt. Die Schule befindet sich auf diesem Gartengrundstück zwischen Stadt und See. Die Gliederung des Hauses nimmt dabei Bezug auf die ehemalige Parzellierung der Gärten und den Maßstab der Stadt.

Außenraum

Zwischen den einzelnen Häusern entstehen steinerne Höfe und grüne Gärten, die mit unterschiedlichen Themen und Angeboten für die verschiedenen Altersgruppen belegt sind. Sie bieten Angebote zum Spielen (Soccer, Klettern, Tischtennis, Streetball) und zum Entspannen auf festen Holzdecks und hochlehnigen Gar-tenbänken, die auch zur Straße abschirmen. Ziel ist die enge Verbindung der Schule mit Stadt und Umfeld und die Nutzung der räumlichen Qualitäten von Gärten und See. Dem dezentralen Prinzip entsprechend sind Hof und Gartenräume über eine Vielzahl von Treppen und Zugängen aus der Schule erreichbar. Der differen-zierte Außenraum lässt sich somit dezentral von den unterschiedlichen Altersgruppen nutzen.

Konzept

Neben vier eigenständigen Klassenhäusern verfügt die Schule über einen Kopfbau mit Mehrzwecksaal und Räumen für Lehrer und Verwaltung und über ein Fachklassenhaus. Eine “Schulstraße” verbindet über Wege und Plätze alle Häuser miteinander. Das Foyer bildet den Auftakt dieses internen Wegesystems. Als ein “überdachter Hof” dient es als Eingangs- und Pausenhalle und als Mensa. Schwere Tische und Hocker aus Sperrholz können außer zum gemeinsamen Mittagessen auch zum Arbeiten und für Freizeitaktivitäten im Rahmen des ganztägigen Schulbetriebs genutzt werden. Der Raum dient daneben auch als Treffpunkt und Kommunikationsort für Eltern, Schüler und Lehrer. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Foyer befindet sich die Halle. Über eine große Tür angebunden kann die holzgetäfelte Einfeldhalle auch als Festsaal genutzt werden. Die Klassenhäuser verfügen pro Geschoss über drei Klassenräume mit jeweils einem eigenen Nebenraum, die um einen “Marktplatz” angeordnet sind. Jede Jahrgangsstufe verfügt damit über ein eigenes abgeschlossenes Haus. Klassenräume und Nebenräume sind zum Marktplatz hin mit verglasten Türelementen versehen. Die bodentiefen Fenster der Klassen ermöglichen Durchblicke von den innenliegenden Plätzen bis zu Garten und See. Hochformatige Fensterflügel mit tiefen Zargenkästen ermöglichen effizientes natürliches Lüften. Tragende Holzrahmenkonstruktionen sind sichtbar belassen. Wärmegedämmte Holzfassaden sind innen wie außen mit Holz bekleidet  (innen Sperrholz, außen Lärchenholz) und mit Cellulose gedämmt. Massive Wände und Decken aus Beton bieten Speichermasse und Schallschutz. Jede Klasse verfügt über Einbaumöbel mit Schubladen für jeden Schüler. Ein flexibles Tafelsystem an allen Wänden und Aktiveboards ermöglichen vari-ablen Unterricht, wie auch die Präsentation von Schülerarbeiten.

Freie Lernorte

Bestandteil des gebauten pädagogischen Konzepts sind die freien Lernorte in der Schule. Feste Tische und Hocker bieten an mehreren Stellen der Schule ein Angebot für das Arbeiten allein oder in Gruppen auf den internen Straßen mit Blick auf den See oder  in die Höfe. Ein besonderes Angebot stellt das Lernlabor dar. Als multifunktionaler ca. 100 qm großer Raum angelegt, verfügt es über versetzbare Trennwände und ein Oberlicht. Der Raum kann geteilt und dennoch natürlich belichtet und belüftet werden. Aus den Wandelemen-ten lässt sich eine Probebühne bauen. Der Raum bietet sich für Gruppenarbeiten an und kann für Ausstel-lungen genutzt werden. Ein weiterer Raum mit Oberlicht in Form einer Laterne ist das EDV Labor. Als beson-derer, zentraler Raum ist die über zwei Geschosse reichende Bibliothek konzipiert. Im Gegensatz zum offenen transparenten Charakter der Schule ist sie als introvertierter Raum konzipiert. Im Sinne eines klassischen Ortes der Wissensvermittlung können Schüler in besonderer, gedämpfter Atmosphäre arbeiten. Der Raum verfügt über feste Tische im Zentrum des Raums und längs der Brüstung auf der Galerie. Regale, hölzerne Wandpaneele und ein violetter Teppichboden bestimmen den Raum.

Nachhaltigkeit

Die Ecolea fand mit dem weitgehend unbebauten Gartengrundstück eine innerstädtische Lage, die fußläufig vom Hauptbahnhof aus erreichbar ist. Auswärtige Schüler, die das besondere Profil der Schule wählen kön-nen wie die Schweriner Schüler den Schulweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen. Aufgrund der Bodenverhältnisse in Seenähe ist das Gebäude auf 160 Pfählen tiefgegründet. Ein Anheben des Erdgeschosses um einen Meter auf das stadtseitige höhere Niveau des Grundstücks, sowie der Verzicht auf eine Unterkellerung tragen dem hohen Grundwasserstand Rechnung, machen das Grundstück erstmalig bebaubar und führen zu dem schwebenden Charakter des Gebäudes. Gleichzeitig wird das gesamte unbelastete Regenwasser der Dach- und Hofflächen vor Ort versickert. Ein Gründach fungiert als fünfte Ansicht für die höhere umliegende Bebauung und stärkt den Charakter des „Gartenhauses“.
Eine Mischbauweise aus tragenden hochwärmegedämmten, bzw. die Verglasung tragenden Holzrahmenelementen und massiven Innenwänden und Decken aus Beton vereinen die guten wärmedäm-menden Eigenschaften des Holzbaus mit der guten Speicherfähigkeit der Massivbauweise. Der hohe Vorfertigungsgrad ermöglicht die äußerst kurze Planungs- und Bauzeit von insgesamt 18 Monaten.
Zweigeschosigkeit , Baukörpergliederung und Bauweise lassen eine spätere Nachnutzung für besondere Wohnformen zu. In den tragenden Trennwänden sind spätere Öffnungen angelegt, die eine Modifikation des Grundrisses zulassen. Ein Kriechkeller unter dem gesamten Gebäude ermöglicht Nachinstallationen. Die Fassade besteht aus unbehandelten Lärchenholzbrettern, die im Laufe der Zeit natürlich vergrauen werden. Bodentiefe Verglasungen in Kombination mit den hölzernen Innenwandelementen aus Sperrholz tragen zum ortsgebundenen Charakter der Schule bei.
Die Schule ist ebenerdig von allen gepflasterten Schulhöfen zugänglich. Ein Aufzug erschließt das obere Stockwerk barrierefrei.Gegenüber den staatlichen Raumprogrammen liegt der Schwerpunkt der Flächenverteilung auf großen Klas-senräumen mit jeweils einem Nebenraum (64 qm für 20-25 Schüler). Fachspezifische Räume wie Labore werden Fachschaften übergreifend genutzt. Gleiches gilt für die Halle, die mit ihrer Bekleidung aus Seekiefernsperrholz und indirekter Beleuchtung auch als Festhalle genutzt werden kann. Flure und Foyerflächen können als Freilernzonen genutzt werden und sind entsprechend möbliert. Ermöglicht wird dies durch ein Brandschutzkonzept, das auf Nutzungseinheiten basiert.

Energie

Die Schule verfügt im Sinne eines Low Tec Konzeptes bewusst über ein effizientes natürliches Lüftungskon-zept . Dazu dienen sorgfältig dimensionierte leicht handhabbare Fensteröffnungen in Dächern und Fassaden. Dies gilt auch für die innenliegende Bereiche von Bibliothek, Lernlabor und Computerraum. Auf mechanische Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung wurde aufgrund der schulspezifischen Wärmeüberschüsse, die auch im Winter abgelüftet werden müssen, bewusst verzichtet. Wärmerückgewinnung kommt in Schulen i.d.R. nicht zum Tragen. Gut gedämmte Schulen haben eher ein sommerliches Wärmeproblem als ein winterliches Heizproblem. Effiziente außenliegende Verschattungsanlagen und eine für den sommerlichen Wärmeschutz vorteilhafte Cellulosedämmung sorgen daher für einen guten sommerlichen Wärmeschutz.  Eine Ausnahme bilden lediglich innenliegende WCs und die professionell ausgestattete und von einem Koch betriebene Vollküche, die mechanisch gelüftet wird. Eine wirtschaftliche Bauweise stellen die tragenden und dabei sehr gut gedämmten Holzrahmenelemente dar. Die Beheizung der Schule erfolgt über eine Holzpelletheizung und statische Heizflächen. Alle Räume, wie auch die Bewegungsflächen mit den freien Lernorten verfügen über eine sehr gute natürliche Belichtung. Ergänzt wird diese durch eine tageslichtgeführte  künstliche Beleuchtung.

Baubeginn08/2010
Fertigstellungstermin08/2011
Bruttogeschossfläche5.500 m²
Umbauter Raum23.357 m³

Landesbaupreis

Landesbaupreis 2012: Gewinner in der Kategorie „Bausumme über 500.000 €“

Anschrift

Schelfstraße 1
19055 Schwerin

Bauherr

Das Schelfhaus GmbH
Weitendorf OT Kaarz

Planer

Architekten

petersen pörksen partner
architekten+stadtplaner (bda) #

Kanalstraße 52
23552 Lübeck
www.ppp-architekten.de

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