Reetdachdeckerhandwerk in MV

Gelebte Tradition 

Das Eindecken von Dächern mit Reet - je nach Region auch Ried, Reith, Rohr oder Schilfrohr genannt - ist eine der ältesten Handwerkstechniken beim Hausbau. 

Die Reetdachdeckerei gehört zu den traditionsreichsten Handwerksberufen. Es erfordert großes fachliches Können, die Dächer mit Schilf - oder wie es früher oft üblich war mit Stroh - zu gestalten.

In Deutschland sind Reetdächer heute überwiegend in Mecklenburg-Vorpommern zu finden. Sie wirken stilgebend und identitätsstiftend. Sie sorgen dafür, dass sich Bauwerke harmonisch in die Kulturlandschaft einfügen und dort keine „Fremdkörper“ bilden. Hinzu kommt, dass Reet ein nachwachsender und damit nachhaltiger Rohstoff ist, der für eine natürliche Klimatisierung von Häusern sorgt. Reet ist zudem ein ökologischer Baustoff und sehr energieeffizient. 

Reetdachdecken ist immateriellen Kulturerbe der UNESCO

Das Reetdachdecken gehört seit März 2015 zum immateriellen Kulturerbe im Sinne der UNESCO, Kulturorganisation der Vereinten Nationen. Für dieses Traditionshandwerk hat die Reetdachdecker-Innung Mecklenburg-Vorpommern hat mit Unterstützung derHandwerkskammer Schwerin einen Antrag zur Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes gestellt. Die Reetdachdeckerei gehört heute zu den traditionsreichsten Handwerksberufen. Die ersten nachgewiesenen Reetdächer gab es bereits um 4000 v. Chr. Auch wenn heute moderner Draht die alten Hanfseile ersetzt hat und die Reetdachdecker Bohrmaschinen nutzen, im Prinzip hat sich an diesem uralten Handwerk nichts geändert. 

Mit der Aufnahme des Reetdachdeckerhandwerks in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes Deutschlands ist der Brückenschlag zwischen einer in Jahrtausenden entstandenen Kulturleistung und mehr Regionalität sowie Nachhaltigkeit in unserer Baukultur gelungen.